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Halbes Jahrhundert vollendet

Erschienen: wiku 02.03.2011 - Seite 13

 

 

UNTERNEHMEN: Vor 50 Jahren wurde das Möbelhaus Planer in Eppan gegründet–Gottfried Planer erzählt

 

Spannend, ja oft kaum vorstellbar ist das, was ältere Unternehmer aus früheren Jahren erzählen. Auch wenn Gottfried Planer auf die Gründung des bekannten Eppaner Möbelhauses Planer vor 50 Jahren zurückblickt, fallen ihm so manche aus heutiger Sicht ungewöhnliche Ereignisse ein.
Wenn Gottfried Planer durch seinen Betrieb führt, dann tut er dies voller Stolz und Leidenschaft:
rund 5000 Quadratmeter Ausstellungsfläche, weitere rund 8500 Quadratmeter für Lager, Büros und Werkstatt. So, wie sich das Unternehmen Möbel Planer heute präsentiert, so hätte es sich der mittlerweile fast 82-jährige Seniorchef vor 50 Jahren nicht erträumt.
Bescheidene 30 Quadratmeter standen dem gelernten Tischler damals zur Verfügung, um seinen Traum eines kleinen Möbelgeschäftes zu verwirklichen. Schon einige Jahre zuvor, im Jahr 1955, hatte sich Gottfried Planer mit einem Berufskollegen selbstständig gemacht und im Überetscher Hauptort eine Tischlerei aufgebaut. Doch der Gedanke, Möbel nicht mehr selbst anzufertigen, sondern den Kunden eine breitere Palette an
Einrichtungs-Möglichkeiten anzubieten, hatte ihn schon bald erfasst und nicht mehr losgelassen.
Sechs Jahre später, am 1. Februar 1961, erhielt Gottfried Planer die Lizenz zur Eröffnung eines
Möbel-Geschäftes im Zentrum von Eppan. Ein hohes Risiko war der junge Unternehmer damit eingegangen, wie er heute zugibt. Denn Möbelhandel war damals noch eine Neuheit in den Köpfen der Südtiroler Bevölkerung. Und ganz von vorn anzufangen, konnte sich Planer als mittlerweile vierfacher Familienvater, eigentlich kaum leisten.
Schwieriger Anfang

Doch seine Energie und Zielstrebigkeit – „und vor allem die Unterstützung meiner Frau
Christine“ – verhalfen Gottfried Planer zu einem bald ansehnlichen Kundenstock. Mit seinem
ersten Lieferwagen, einem VWPritschenwagen – der übrigens heute noch in einem kleinen privaten
Auto-Museum seiner Söhne zu sehen ist – besuchte er unzählige potenzielle Kunden, und
in ebenso unzähligen Arbeitsstunden brachte er „den Laden zum Laufen“.
Schon fünf Jahre nach der Betriebsaufnahme eröffnete er auf dem heutigen Firmengelände
ein kleines Möbelhaus mit 220 Quadratmetern Ausstellungsfläche.
„In dieser Zeit haben wir öfter auf der Bozner Messe ausgestellt und dadurch Kunden aus
ganz Südtirol erhalten“, erinnert sich Gottfried Planer. So groß die Genugtuung über den unerwarteten Zuspruch war, so schwierig wurde die Logistik – etwa, wenn es darum ging, ein Schlafzimmer und eine Küchenkredenz über den damaligen steilen Fuhrweg nach Steinegg zu transportieren: „Auf dem Weg schaffte es der Wagen nicht mehr. Wir luden einen Teil ab, den wir dann in zwei weiteren
Fahrten zum Bestimmungsort nach Steinegg brachten.“ Doch das war nur ein Bagatell im Vergleich zu dem, was schon einige Monate nach dem Einzug ins neue Haus passiert war: Eine Überschwemmung setzte den Lagerraum mit allen auszuliefernden Möbeln über einen halben Meter unter Wasser. „Es war die Katastrophe“, erzählt Gottfried Planer. Aber auch die wurde gemeistert.
Noch viele Geschichten hätte Gottfried Planer aus seiner Unternehmerzeit auf Lager. Tatsache ist, dass er sich Ende der sechziger und in den siebziger Jahren auch über Südtirol hinaus einen Namen gemacht hat.
Nach Turin, Genua, Mailand, Venedig, Florenz, sogar nach Elba gingen die Lieferungen des
Möbelhauses. Der größte Auftrag war damals zweifelsfrei jener über rund 3,5 Millionen Lire, die ein Kunde in Sizilien gegeben hatte: „Er hat im Voraus bezahlt, aber ich habe nie erfahren, wie dieser Kunde zu uns gekommen ist“, sagt Gottfried Planer heute.
Tatsache ist auch, dass der Möbelhändler Ende der siebziger und in den achtziger Jahren mit dem Wechselkurs der italienischen Lira hart zu kämpfen hatte: „Der größte Teil unserer Ware kommt aus Deutschland. Weil der Wert der Lira gegenüber der D-Mark nahezu täglich sank, mussten wir die Verkaufspreise täglich neu berechnen. Für ein Darlehen für einen Zubau haben wir damals 25 Prozent Zinsen bezahlt.“
Ständiges Wachstum
Aber das Unternehmen überstand auch diese Krise, wurde in den Jahren bis 2007 immer wieder ausgebaut und vergrößert und ist längst vom Möbel- zum Einrichtungshaus geworden, in dem die Kunden neben Qualitätsmöbeln unterschiedlichster Preisklassen für Schlafzimmer, Küche, Kinder- und Wohnzimmer
auch alle erdenklichen Accessoires und Mitnahme-Möbel bekommen.
Obwohl Gottfried Planer das Unternehmen schon vor einiger Zeit seinen Söhnen Oswald und
Jürgen übergeben hat, schaut er nach wie vor fast täglich im Möbelhaus vorbei: „Aber einmischen
tu ich mich nicht mehr“, schmunzelt er, „lieber widme ich mich meiner Leidenschaft, der Jagd.“

 

 

 

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